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Der freie Wille – was sagt die Bibel dazu?

Hat der Mensch einen freien Willen oder ist sein Schicksal vorherbestimmt?

Dies ist eine der Fragen, die immer wieder gestellt werden. Kann der Mensch überhaupt mitbestimmen, wenn es um sein Leben geht? Oder ist sein Schicksal schon besiegelt, bevor er das Licht der Welt erblickt?
Wenn man die Summe der Lehre im Wort Gottes betrachtet, wird klar, dass der Mensch einen freien Willen hat und somit auch verantwortlich für sein Handeln ist. Zum Beispiel das Prinzip, dass der Mensch erntet was er sät macht nur dann Sinn, wenn der Mensch selbst auswählen kann was er sähen möchte. «Irrt euch nicht: Gott lässt sich nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten.» Galater 6,7.  An einer anderen Stelle appelliert Gott an die Menschen gute Entscheidungen zu treffen und das Leben und nicht den Tod zu wählen. siehe 5. Moses 30,19.20  Das sind nur zwei Beispiele dieses Prinzips, das sich durch die ganze Bibel zieht. Auch im Buch der Sprüche und in den Gleichnissen von Jesus wird immer wieder um eine gute Entscheidung des Menschen geworben.

Was es bedeutet einen freien Willen zu haben

Der freie Wille, wie ihn die Bibel lehrt, bedeutet nicht, dass der Mensch alles selbst bestimmen kann. Zum Beispiel kann kein Mensch beeinflussen wo, zu welcher Zeit und in welche Situation er hineingeboren wird. Auch darauf ob er ein Mann oder eine Frau ist oder wie seine körperlichen und geistigen Voraussetzungen sind, hat er keinen Einfluss. Der freie Wille bedeutet, dass der Mensch einen Entscheidungsradius hat, innerhalb dessen er Entscheidungen treffen und sein Leben dadurch lenken kann.
Wenn jemand zum Beispiel Einkaufen geht, kann er entscheiden, ob er Gemüse, Fleisch, Käse, Teigwaren oder alles zusammen einkauft. Dazu kann er seinen freien Willen benutzen. Es hat jedoch nicht jeder Mensch die Möglichkeit mit seinem freien Willen zu entscheiden was er einkaufen möchte. Wenn jemand zum Beispiel in einem Krisengebiet lebt, wo es gar keine Einkaufsläden mehr gibt, wird er auch nicht darüber entscheiden können was er einkauft. Doch selbst in dieser äußerst schwierigen Lebenssituation hat er einen Entscheidungsradius, innerhalb dessen er frei entscheiden kann. Zum Beispiel ist es trotz allem sein freier Wille was er denkt, wie er sich verhält oder wie er andere Menschen behandelt.

Der Mensch hat also in jeder Lebenssituation die Möglichkeiten eigene Entscheidungen zu treffen. Die Ausgangslage jedes Menschen, sozusagen von welchem Feld aus er in sein Leben startet, ist gegeben. Welche Züge er aber in seinem Leben macht, kann er selber wählen durch seinen freien Willen. Man kann sagen, dass ein Mensch ab einem gewissen Alter die Summe seiner Entscheidungen repräsentiert.
Eng verbunden mit der Frage nach dem freien Willen ist natürlich die Frage nach der Gerechtigkeit. Wenn nicht alle Menschen dieselbe Ausgangslage haben, kann man da von einem gerechten Gott sprechen? Das Wort Gottes macht klar, dass der Mensch nicht nach dem beurteilt wird was er nicht hat, sondern nach dem was er hat. siehe Matthäus 25,14-3 und 2. Korinther 8,12 . Aber lass uns zurückkehren nach der Frage vom freien Willen.

Freiheit geben birgt ein Risiko und bedeutet Loslassen

Die meisten Menschen tun manchmal falsche Dinge, die sie bereuen und vielleicht sogar hassen und dennoch können sie sie nicht lassen. Ich kenne dies aus meinem eigenen Leben. Ich habe mir oft gewünscht meine Einstellung, meine Entscheidungskraft und meinen Willen in einem Moment der Klarheit für immer einfrieren zu können und zu programmieren, um so immer die Fähigkeit zu haben gute und weise Entscheidungen zu treffen und nicht dieselben Fehler zu wiederholen. Doch das ist uns Menschen nicht möglich, weil wir keine programmierbaren Roboter sind.

Gott hat den Menschen mit einem freien Willen geschaffen.

Warum er dies so getan hat werden wir eines Tages komplett verstehen. Was wir jetzt schon wissen ist: Freiheit zu geben bedeutet auch loszulassen was einem lieb ist. Wahre Liebe ist nur möglich, wo ein freier Wille vorhanden ist. Freier Wille bedeutet nämlich auch, dass man sich gegen etwas entscheiden kann. Erst der Umstand der völligen Freiwilligkeit gibt der Liebe ihren wahren Wert. Als Vater und Ehemann weiss ich, dass Liebe nur möglich ist, wo das Gegenüber die freie Wahl hat diese Liebe zu erwidern oder abzulehnen. Wo Freiheit gegeben wird, besteht die Gefahr, dass die Freiheit nicht im Sinne des Gebers genutzt wird. Gott hat sich in seiner Liebe dazu entschieden dem Menschen die Möglichkeit zu geben in Gemeinschaft mit ihm zu bleiben oder sich zu entscheiden sein Leben ohne ihn zu meistern. Diese Geschichte wird eindrücklich in Genesis Kapitel 2 und 3 beschrieben.

Wie gehen Auserwählung, Vorherbestimmung und freier Wille zusammen?

In der Bibel finden wir den Begriff „vorherbestimmt“. Zum Beispiel: «Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen…. » Römer 8,30  oder «Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst durch Jesus Christus…» Epheser 1,5  Auch den Begriff Erwählung findet man einige Male im Wort Gottes. Jesus sagt: «Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt…» Johannes 15,16

Die Meisten kennen wahrscheinlich auch die Geschichte vom Pharao, der das Volk Gottes nicht aus Ägypten ziehen liess, woraufhin klar steht dass Gott das Herz des Pharaos verstockte und ihn sogar für diesen Zweck «weckte». siehe Römer 9,17.18
An dieser Geschichte kann man das Zusammenspiel von freiem Willen und von Gottes Vorhersehung und Vorherbestimmung gut aufzeigen. Denn das Herz des Pharaos war nicht von Anfang an verstockt. Er hatte die Möglichkeit positiv zu reagieren auf die Bitte von Mose, sein Volk aus der Sklaverei zu entlassen. Hätte er die Möglichkeit genutzt dem Gott Israels zu gehorchen, ohne sich auf einen Machtkampf mit ihm einzulassen, hätte er am Schluss nicht seine ganze Armee verloren. Der Pharao war nicht vorprogrammiert von Gott, sondern Gott hat seinen eigenen Willen respektiert und ihn nach vielen Warnungen schlussendlich den Weg gehen lassen, für den der Pharao sich aus freiem Willen entschieden hat.

Wenn ein Mensch sich konsequent und hartnäckig weigert auf Gottes Stimme zu hören – wie der Pharao dies tat oder das Volk Israel, als es seinen Messias ablehnte – dann hat dies eine Verstockung des Herzens zur Folge. Die Verstockung des Herzens ist eine Konsequenz der Entscheidungen, die der Mensch Im Vorfeld getroffen hat. Wenn man das Navi ignoriert kann es gut sein, dass man falsch fährt und auf einer Autobahn landet, die in die falsche Richtung geht und auf der es viele Kilometer keine Ausfahrt hat. Genau so ist der Pharao aufgrund seiner Ignoranz dem Reden Gottes gegenüber auf eine falsche Straße geraten, auf der es kein Zurück mehr gab. Er ist genau dort gelandet wohin seine eigenen Entscheidungen ihn geführt haben. Aus diesem Grund warnt Gott uns in seinem Wort indem er uns zuruft: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht!.» Hebräer 4,7

Gott stellt die richtige Prognose und richtet sein Handeln danach

Ich möchte dieses Thema mit dem Betrachten der sogenannten goldenen Kette der Reformatoren abschliessen. Paulus schreibt im Römerbrief: «Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein?» Römer 8,29-31

Wenn wir über die Vorherbestimmung reden ist es wichtig zu verstehen, dass die Vorherbestimmung das zweite Glied in der Kette ist. Das erste Glied wird mit ersehen übersetzt. Vom dem hier verwendeten griechische Wort proginosko leitet sich das Wort Prognose ab. Was ist eine Prognose? Schauen wir dies am Beispiel der Wetterprognose an. Wenn jemand eine Prognose über das Wetter abgibt, hoffen wir, dass die Prognose stimmt und das Wetter wie vorausgesagt eintrifft. Wenn wir nun z.B. ein Gartenfest planen, stimmen wir das Datum auf die Prognose ab. Auf das Wetter jedoch hat weder die Prognose noch derjenige der sie stellt einen Einfluss. Gottes Prognose stimmt immer 100 prozentig. Auf das Handeln des Menschen hat seine Prognose jedoch keinen Einfluss.

Über den Charakter Gottes sagt David diesbezüglich folgendes: «Gegen den Gnädigen verhältst du dich gnädig, gegen den vollkommenen Mann vollkommen. Gegen den Reinen zeigst du dich rein, gegen den Verkehrten aber verdreht. Und das demütige Volk rettest du; aber deine Augen sind gegen die Hochmütigen, du erniedrigst sie.» 2. Samuel 22, 26-28

Das Kriterium der Auserwählung Gottes ist die Vorhersehung, die Prognose Gottes. Kain, Esau, der Pharao, Amalek, Saul und Ahab waren frei zu gehorchen und Gutes zu tun. Nicht einmal Judas wird vor Gott behaupten können, dass er gezwungen war Jesus zu verraten. Wenn jemand sich in seinem Herzen gegen Gott entscheidet und hartnäckig ein böses Ziel verfolgt, wird Gott ihn nicht stoppen. Wenn jemand jedoch seine bösen Pläne aus freiem Willen aufgibt und das Gute sucht, ist eine Umkehr möglich, solange der Mensch atmet. Aus diesem Grund ist es für den Menschen wichtig, dass er die Signale beachtet, die Gott ihm sendet. Wie Gott zu den Hebräern sagt: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht, wie in der Auflehnung.» Hebräer 3,15

Nutze deinen freien Willen, um Gott zu dienen!

Nutze deshalb deinen Entscheidungsradius, um Gott den Platz in deinem Leben zu geben der ihm zusteht. Das wichtigste Gebot lautet: «Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken». Das ist das erste und größte Gebot. Und das zweite ist ihm vergleichbar: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst». An diesen zwei Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten. Matthäus 22,37-40  Halte dir stets vor Augen: Gott hat dir den freien Willen gegeben, weil der dich liebt und dir so die Möglichkeit gibt seine Liebe zu erwidern.

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